Superfoods: Lebensmittel mit dem gewissen Etwas

Wenn Du „Superfood“ hörst, denkst Du wahrscheinlich als erstes an Chia-Samen aus Mexiko, die Acai-Beere aus Mittelamerika oder Moringa oleifera aus Indien. Diese pflanzlichen Produkte tauchen gerne als Super-Lebensmittel in Online-Shops auf, und die Verkäufer schreiben ihnen die unglaublichsten Wirkungen zu.

Meist steht zum Beweis eine ganze Liste von wissenschaftlichen Studien unter dem Verkaufstext: Experimente, in denen die Inhaltsstoffe der „Superfoods“ Krebszellen absterben lassen, die Haut um 20 Jahre verjüngen, das Gehirn leistungsfähiger machen…

Die schlechte Nachricht: Diese Forschungsergebnisse entstehen an Labortieren, denen man die betreffende Wundersubstanz in großen Mengen spritzt oder zu fressen gibt. Um mit dem „Superfood“ auf die selbe Dosis zu kommen, müsstest Du ganze Kilos davon essen, jeden einzelnen Tag. Eine Handvoll Chia-Samen, ein Esslöffel getrocknete Acai-Beere oder zwei Moringa-Kapseln enthalten so wenig von ihren angeblich wundertätigen Inhaltsstoffen, dass Du – abgesehen vom Placebo-Effekt – nie eine Wirkung bemerken wirst.

Auch in vielen beliebten Obstsorten oder altbekannten traditionellen Gartenkräutern finden sich Substanzen, die isoliert und konzentriert im Laborversuch ähnliche Effekte zeigen. Aber niemand würde Schnittlauch in Kapseln oder getrocknet für 30 EUR pro Kilo kaufen. Das Wort „Superfood“ dient leider oft als Werbeslogan, um exotische Lebensmittel teuer zu vermarkten.

Werbung beiseite: Wie sieht ein echtes Superfood aus?

Echte Super-Lebensmittel sind solche, die mehr können als nur den Bauch füllen. Sie heilen Krankheiten, töten Bakterien ab, enthalten besonders viele Vitamine und Mineralstoffe oder sind so nährstoffreich, dass Du von einer Handvoll pro Tag leben kannst und nicht dabei abnimmst. Manche von ihnen kennst und isst Du seit Jahren, andere werden völlig neu für Dich klingen.

Superfoods von allen Enden der Erde

info
Weltweit: Die „Superfoods“ der Lebensmittelindustrie stammen aus Mittel- und Südamerika, aus Indien und von den Inseln des Stillen Ozeans. Wenn Du allerdings ein wenig nachforschst, findest Du in fast jedem Land ein Gericht mit dem gewissen Etwas.

Super Bakterienkiller: Manuka-Honig aus Neuseeland

ManukahonigHonig ist das einzige Lebensmittel, das nie verdirbt. Das liegt an seinem Zuckergehalt und an dem Enzym Glucose-Oxidase, das antimikrobielles Wasserstoffperoxid entstehen lässt. Der Honig, den Bienen in Neuseeland aus dem Nektar der Südseemyrte (Manuka) herstellen, enthält zusätzlich zum Peroxid ein starkes natürliches Antibiotikum: Methylglyoxal (MGO). Der MGO-Honig hilft von außen angewendet bei der Wundheilung. Von innen ist ein Teelöffel Manuka-Honig pro Tag ein starker Bakterienkiller bei Infektionskrankheiten.

Super für die Blase: Kürbiskerne aus Amerika

KürbiskerneDer Kürbis wächst inzwischen auch bei uns, aber seine Heimat ist die Neue Welt. Die Kerne schmecken gut als geröstete Knabberei oder eingebacken in Brot. Sie enthalten nicht nur Zink, Spurenelemente und Vitamin E, sondern auch einzigartige Substanzen mit medizinischer Wirkung. Cucurbitin dient als Wurmmittel. Eine Mischung aus anderen Wirkstoffen des Kürbiskerns lindert Reizblase und Prostatabeschwerden.

Super nährstoffreich: Pemmikan aus der Prärie

Pemmikan ist das Dörrfleisch der nordamerikanischen Indianer: getrocknetes Büffelfleisch, zerstoßen und mit Fett und Dörrobst vermischt. Die energiereiche Paste ist ein idealer Reiseproviant für lange Wanderungen oder (in moderner Zeit) für Polarexpeditionen. Das Fleisch liefert Proteine, Eisen und Vitamin B12. Getrocknete Beeren enthalten viel Vitamin C und Mineralstoffe. Pemmikan ist so gehaltvoll, dass Du einen Vorrat für Wochen bequem im Rucksack tragen kannst.

Superfoods aus allen Ecken Europas

info
Europa: Lebensmittel mit besonderen Eigenschaften gibt es nicht nur in Mexiko oder im afrikanischen Busch. In fast jeder Region unseres Kontinents findest Du eine Pflanze, eine Mischung oder eine exotisch anmutende Zubereitung mit erstaunlichen Wirkungen.

Super gehaltvoll: Tortetas aus Huesca

Sie ist dunkelrot bis rostbraun, hat etwa Größe und Form eines Doughnuts oder eines schief geratenen Krapfens, aber an Kaloriengehalt und Verdaulichkeit schlägt sie den besten Energieriegel: Die Torteta ist eine Spezialität der spanischen Provinz Huesca, schmeckt würzig-süß, und liefert mehr bioverfügbares Eisen als irgendein anderes Lebensmittel (pures Blut ausgenommen). Vom Gehalt her ein schweres Lebensmittel, liegt sie dennoch leicht im Magen. Tortetas sind das geheime Super-Frühstück der aragonesischen Ultramarathonläufer. Die Zutaten? Mehl, Schmalz, Schweineblut, Honig oder Zucker, Gewürze und ganze Haselnüsse. Nichts für Vegetarier!

Super vitaminreich: Moltebeeren aus Skandinavien

MoltebeerenDie seltene gelbe Beere aus den Sümpfen Lapplands ist wohl das teuerste wildgesammelte Obst der Welt. Sie ist vor allem in Norwegen eine beliebte Frucht für Marmeladen und Gelees. Ihr hoher Gehalt an Benzoesäure macht die Moltebeere lange haltbar. Sie liefert viel Vitamin C, andere Vitamine und Spurenelemente. Außerdem enthält die Moltebeere ein Steroid namens Diosgenin mit vielfältigen medizinischen Wirkungen: Im Laborversuch tötet Diosgenin bestimmte infektiöse Pilze ab, lässt Dickdarmkrebs kleiner werden und schützt vor Thrombosen. Das Steroid aus der Moltebeere senkt den Cholesterin- und Blutfettspiegel, hemmt Entzündungen, vermindert Osteoporose und regt bei stillenden Müttern den Milchfluss an.

Super für die Darmflora: Sauerkraut aus Deutschland

SauerkrautDas Lebensmittel, das uns Deutschen in den Welt den Spitznamen „Krauts“ eingebracht hat, bewirkt Erstaunliches im menschlichen Darm – wenn Du es frisch und roh isst. Das pasteurisierte Kraut aus dem Glas oder Beutel enthält zwar noch das gesamte Vitamin C, aber die Bakterien sind tot. Die Milchsäurebakterien, die aus geschnittenem Kohl das haltbare Sauerkraut machen, überleben die Magensäure und mischen sich unter die Darmbakterien. Eine Portion probiotischen Sauerkrauts kann eine verstimmte Darmflora wieder ins Gleichgewicht bringen und hilft gegen Antibiotika-Durchfall.

Schreibe einen Kommentar

Deine E-Mail-Adresse wird nicht veröffentlicht. Erforderliche Felder sind mit * markiert.